Mein Fahrrad mit Windrad Foto

Warum ich mir den Alltag schwer mache

Es begab sich einmal zu der Zeit, dass ich im Internet zufällig eine handbetriebene Waschmaschine fand. Ich war auf der Stelle fasziniert. Ich wollte wissen warum man sich in der heutzutage ein solches Gerätschaftenmonster ins heimische Heim holt. Ich erwartete Rezensionen von Anhängern technikabgewandter Glaubensrichtungen zu lesen. Aber neben Leuten die „off the grid“ lebten, berichtete auch eine Mutter vom begeisterten Engagement ihrer Kleinen beim Kurbeln und Rühren der Familienwäsche und eine andere Rezension lobte das gute Muskeltraining, das die Waschmaschine lieferte.

Jetzt kann man durchaus in Frage stellen, warum man sich bei den heute möglichen Bequemlichkeiten so abmühen sollte. Ich kam nach einiger Überlegung zum Schluss, dass ich es weitaus fragwürdiger finde sich im Ganztagsjob am Schreibtisch den Rücken zu ruinieren, das verdiente Geld in Gerätschaften zu investieren, die unser Leben noch bequemer machen, um dann die knappe Freizeit im Fitnessstudio verbringen zu müssen, damit der Körper nicht zum steinernden Klops wird. Eigentlich ziemlich bescheuert.

Seitdem verschwende ich durchaus den ein oder anderen Gedanken daran mir den Alltag bei sowieso anfallenden Tätigkeiten schwer zu machen, anstatt mein Geld und meine Zeit in eine Muckischwitzbude zu tragen. Ich mag es auf diese Weise auch Ressourcen wie Strom oder Benzin zu sparen, nicht mit elektrischen Geräten zum Müllberg beizutragen und den Platz, den die Gerätschaften in meiner Wohnung einnehmen würden, zu sparen.

Hier verrate ich euch meine Top Nine der Alltags-Sportlereien:

  1. Mit klapprigem Fahrrad in die Arbeit fahren

    Mein Drahtesel ist alt (nicht vintage!) und völlig uncool. Er suggeriert, dass er 5 Gänge hat, in Wahrheit funktionieren aber höchstens 3. Es ist richtig anstrengend damit die halbe Stunde in die Arbeit zu fahren und das find ich gut. Mit der tollen Atmosphäre auf der Strecke auch noch besser als jede Spinning Class! Big City Bonus des Klapperesels: klauen will den so schnell niemand.

  2. Fußboden mit der Hand wischen

    Manchmal geb ich meinem felinen Publikum meine persönliche Interpretation von Karate Kid dar und wische meine 2-Zimmer-Wohnung auf Knien. Genauso anstrengend wie diese lustigen „Ab Roller“ und es wird sogar porentief rein dadurch. Nur die unhöflichen Katzen applaudieren nie.

  3. Die analogen Treppen erklimmen

    Oldie but Goldie: Stufen steigen statt Rolltreppe fahren. Na gut, manchmal schummle ich, aber meistens nicht!

  4. Mit dem Hackenporsche einkaufen

    Es ist viel schöner mit meinem Retro-Shopper Samstags auf dem Markt zu flanieren, anstatt mit dem roten Auto in den Supermarkt zu fahren.

  5. Langsam mit der Mühle mahlen

    So ein bisschen Kaffee-Fetischismus muss auch sein. Handgemahlener Fairtrade Kaffee am Morgen. Da sag ich nix mehr. Außer vielleicht noch, dass die Kaffeemühle mal als Dekoobjekt auf dem Küchenschrank meiner Mutter stand. Ha!

  6. Den Löffel schwingen

    Kuchenteig kann man tatsächlich einwandfrei mit dem Kochlöffel rühren und Brotteig mit der Hand kneten. Gibt leckere Armmukkis!

  7. Schrauben mit der Hand schrauben

    Sind die Schrauben mal locker, muss man nicht immer gleich zum Akkuschrauber greifen. Ruhig mal die Ärmel hochkrempeln und auf händische Art losschrauben. Ich selbst besitze keinen Akkuschrauber.

  8. Dünne Bretter mit der (Japan-)Säge sägen

    Bei vielen DIY-Projekten ist es unkomplizierter die Handsäge zu zücken, anstatt den elektrischen Bruder rauszuzerren. Leiser und etwas weniger staubwolkig ist es auch. Nachdem ich nun schon einige Billig-Sägen aus dem Baumarkt durch habe, werde ich mir demnächst eine ordentliche Japansäge anschaffen. Damit ist Sägen ein Genuss, denn man soll sich das Leben ja nicht unnötig schwer machen 😉 die Qualität des Schnittes spricht auch für sich.

  9. Mit der normalen Zahnbürste bürsten

    Es ist vielleicht nur ein minimaler Unterschied, aber mit einer un-elektrischen Zahnbürste werden die Zähne auch gut sauber, wenn man es ordentlich macht.

Die handbetriebene Waschmaschine kann ich mir derzeit dennoch für meine Stadtresidenz nicht so ganz vorstellen. Vielleicht wird es eines Tages etwas mit meinem „tiny house“ in der Wildnis. Bis dahin versuche ich mir weiterhin den Alltag mit Absicht und Freude etwas schwer zu machen.

Wie macht ihr euch den Alltag schwer, damit ihr nicht einrostet oder etwas Platz und Strom spart?

 

3 Kommentare zu “Warum ich mir den Alltag schwer mache

  1. Hallo Friederike, das ist eine schöne Liste! Die ersten vier Punkte kenn ich sehr gut – nur Hackenporsche wäre in meinem Fall durch Fahrradanhänger zu ersetzen. Ich würde noch ergänzen: Gartenarbeit ohne Motoren – also so ganz analog.

    • Ohja! Gartenarbeit, unbedingt! Hab mich grad gewundert, warum ich das nicht mit in meiner Liste aufgeführt hatte, aber das liegt wohl daran, dass ich momentan nicht soooo regelmässig in unserem Gemeinschaftshof tätig bin. Kommt aber dann ganz bestimmt mit zum Kreis meiner Alltagsfitness, wenn ich endlich eines Tages meine eigenen kiloschweren Zucchini stemmen kann. Hehe. Das mit dem Fahrradanhänger hört sich auch schön und schön anstrengend an. Weitermachen! 🙂

  2. Pingback: Strom sparen und jubeln

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